text. ton. netz.
Text, Ton und Netz – das sind die drei Dinge, mit denen ich mich die meiste Zeit beschäftige und mit denen ich zumindest zum Teil auch meine täglichen Brötchen verdiene.
Text.
Was ist ein Text? Einfach nur eine Ansammlung von Wörtern, die grammatikalisch und inhaltlich sinnvoll aneinander gereiht sind? Eins meiner Lieblings-Lexika sieht das ein bisschen komplizierter:
Text (lat. textum ‚Gewebe, Geflecht‘) 1. m. In den terminolog. Bestimmungen des in der Textlinguistik und Texttheorie zentralen Begriffs T. wird abhängig von der Theorieentwicklung und spezif. Forschungsinteressen auf unterschiedl. Aspekte des komplexen Phänomens T. Bezug genommen. Bei einer Akzentuierung textinterner (grammat., struktureller) Kriterien (Textgrammatik) gilt der T. als eine durch grammat., vorrangig pronominale Vertextungsmittel verkettete kohärente Folge von Sätzen mit einem relativ abgeschlossen behandelten Textthema, während bei Akzentuierung textexterner (kommunikativer) Aspekte der T. als Produkt sprachl. Handelns mit einer erkennbaren kommunikativen Funktion angesehen wird. Neuere Forschungsansätze verbinden textinterne und textexterne Kriterien und erfassen mit dem Begriff T. das kognitiv, grammat., illokutiv und ggf. prosod. strukturierte Ergebnis einer – mündl. oder schriftl. realisierten – sprachl.-kommunikativen Handlung eines Produzenten, in dem die Bezugnahme auf Kontexte und Adressaten manifestiert ist und das die Basis für kognitiv und intentional strukturierte Handlungen von Rezipienten darstellt. (…)
(Auszug aus: Helmut Glück: „Text“, in: ders. (Hrsg): Metzler Lexikon Sprache. Stuttgart/Weimar 1993, S. 636.)
Ob es auch einfacher geht? Kommt drauf an… Für sprachwissenschaftliche Zwecke wohl nicht. Für den Hausgebrauch ist die Definition jedenfalls zu kompliziert – der Text ist zu lang. Da kommt Wikipedia schon wesentlich handlicher daher:
Text bezeichnet im engeren Sinne einen zusammenhängenden Bereich geschriebener Sprache, im weiteren Sinne auch die nicht geschriebene, aber schreibbare Sprachinformation (beispielsweise eines Liedes, Films oder einer improvisierten Theateraufführung). (…)
(Auszug aus der deutschsprachigen Wikipedia, Stand: 28.02.2004)
Es kommt also ganz darauf an, für wen man schreibt. Oder textet. Das zu erkennen, ist mein Job: Ich produziere Texte – gesprochen oder geschrieben. Geschrieben, um gelesen zu werden. Oder um vorgelesen zu werden, dann aber bitte so, als wäre es nicht geschrieben, sondern erzählt. Menschen, die so etwas beruflich machen, sind zum Beispiel Journalisten. Wie ich. Ich texte, schreibe also – fürs Radio und für Internetseiten.
Ton.
Es gilt das gesprochene Wort. Ich spreche das Wort. Wenn es sein muss, dann auch so, dass es gilt. Man hört viel unprofessionell gesprochenes Wort, zum Beispiel am Telefon, in den Lautsprechern von Zug und U-Bahn, am Flughafen. Wort, das keiner genau versteht, weil die Menschen, die es sprechen, dafür nicht ausgebildet sind. Müssen sie auch nicht. Aber manchmal kann es hilfreich sein, einen Profi ranzulassen. Betonungen an der richtigen Stelle, klare Aussprache, verständliche Formulierungen… Beim Radio ist das Alltag, aber leider nicht alltäglich.
Das gesprochene Wort hat auch eine technische Seite: Es muss aufgenommen, bearbeitet, vielleicht geschnitten werden, ab und zu muss sogar noch ein bisschen Musik dazu. Sprechen, schneiden, mischen. Der Dreiklang professioneller Produktion.
Netz.
Die Welt ist so einfach geworden: HTML ist ein weltumspannender Großkonzern, der seltsamerweise das Internet beherrscht, aber nie Bilanzen vorlegt. Aus Perl lässt sich wunderschöner Schmuck machen. PHP ist eine große Zeitung, die vor allem in Passau oder Potsdam erscheint. CSS ist eine chinesische Weltraumstation und RSS das russische Pendant. Die FTP ist eine Splitterpartei, die bei der nächsten Bundestagswahl wieder mal an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern wird. Der Browser ist ein neuartiger Duschkopf, der die morgendlichen Dusche noch belebender machen soll. Mac hat was mit Essen zu tun, an Windows sollte nichts hängen, außer den Gardinen, Unix ist eine Figur aus Asterix und mp3 der Name eines neuen Mobilfunkanbieters… ;-)
Ja, ich weiß, die Wahrheit ist grausam: All das ist natürlich völliger Blödsinn. Stattdessen begegnen mir diese Begriffe hin und wieder bei meiner Arbeit als Redakteur, wenn ich an Webseiten arbeite. Wenn ich Seiten nicht kommentiere, sondern selbst baue, dann will ich die einfach, klar und schnell haben: Ohne großartigen Schnickschnack und Animationen, dafür lieber mit einer ordentlichen Portion Minimalismus. So wie diese hier und andere Projekte, die ich schon erfolgreich ins Netz gebracht habe, z.B. die Buchreihe SARDÍNNIA.
