Stoiber ääääh und äääääh Transrapid
Mittwoch, 18. Januar 2006 • Rubrik: Kurios, Mediengedöns, Stammtisch
Da hat er mal wieder zugeschlagen, der Edmund Stoiber, und die Blogs sind voll davon: Ein (anscheinend heimlicher) Mitschnitt macht die Runde, in dem Stoiber erklärt, wie das mit dem Transrapid funktionieren soll. Zu finden ist das Oeuvre unter anderem bei den bayerischen Grünen und bei Mario Sixtus, in beiden Fällen auch als mp3. Etwas über eine Minute lang schwadroniert unser aller Ministerpräsent da vor Parteifreunden über den Transrapid, allerdings macht er das zu Fuß und verläuft sich dementsprechend. Klingt für viele unglaublich. Tragisch ist: Jeder, der mal das Vergnügen hatte, O-Töne des Herrn Stoiber in sendbare Einheiten zu schneiden, der kennt solche Ausfälle. Das Problem ist nämlich: Wenn nicht gerade heimliche Mitschnitte die Runde machen oder Stoiber live auftritt, dann hören wir ihn praktisch nur frisiert. Das liegt daran, dass die meisten Sender Vorgaben haben, was die Länge eines O-Tons betrifft. Nehmen wir mal an, ein Sender sagt: Nachrichten-O-Töne sind bei uns in der Regel 20 bis 30 Sekunden lang. Idealerweise besteht so ein O-Ton aus mehr als einem ganzen Satz und trifft natürlich auch eine substanzielle Aussage. Nehmen wir nun weiter an, es soll eine Meldung mit Stoiber-O-Ton zu irgendeinem Thema laufen. Also wird aus dem aktuell vorhandenen O-Ton-Material des Herrn Ministerpräsidenten ein passender O-Ton zurechtgeschnitten. Das ist das übliche Prozedere, nur dass das erstens in diesem Fall ein großer Brocken Arbeit ist und zweitens natürlich die Realität verzerrt. Über den Daumen gepeilt, büßen Leute wie Stoiber beim „Tuning“ auf 20 Sekunden locker drei bis fünf Ähs ein, und Profis schwören darauf, auch mal die Satzstellung etwas umzubauen. Tragisch daran ist, dass das nicht etwa aus politischen Gründen geschieht, sondern einfach, weil er sonst schlicht unsendbar wäre. Mit anderen Worten: So flüssig, wie Stoiber normalerweise zu hören ist, äußert er sich eher selten. Wäre übrigens auch mal eine spannende kommunikationspsychologische Fragestellung: Hätte Stoiber ein anderes Image, wenn er öfter ungefiltert zu hören wäre?
2 Kommentare
Heiligs Blechle!
Donnerstag, 12. Januar 2006 • Rubrik: Kurios, Sage und schreibe, Stammtisch
Manche eher bedenklichen Entwicklungen haben auch ihr Gutes: So hat uns der heftig diskutierte baden-württembergische Einbürgerungs-Fragebogen jetzt auch für einen wunderbaren Antwort-Leitfaden beschert. Der hält diesem Möchtegern-Fragebogen sehr schön den Spiegel vor. Und zeigt auch, dass die kaum versteckten Vorurteile eigentlich wenig überraschend sind, denn die findet man an jedem Stammtisch. Viel schlimmer ist, dass Behörden sich offenbar nicht mal mehr professionelle Fragebögen leisten können, mit denen sie wirklich etwas herausfinden könnten. Das sollte einen sehr, sehr nachdenklich stimmen.
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Kontext-sensitive Politik-Finanzierung?
Sonntag, 18. Dezember 2005 • Rubrik: Netz, Stammtisch
Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht zu den regelmäßigen Lesern ihres Weblogs gehöre: Die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin hat mich mit ihrem Blog heute ordentlich übrrascht – um nicht zu sagen erschreckt – und zwar durch ein Posting, das sich in meinem RSS-Reader so präsentierte (ein Klick macht’s größer):
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Ich weiß nicht, ob es an morgendlicher Unausgeschlafenheit lag, aber im ersten Moment dachte ich, die Grafik gehöre inhaltlich zum Posting. Auch nach reiflicher Überlegung mag man das zwar nicht ganz ausschließen, es dürfte aber mehr so sein, dass damit der Blogbetreiber (MSN bzw. Focus) sein Geld verdient. In diesem Fall allerdings – wo es ja zumindest um den Dialog zwischen Politikern und Bürgern gehen sollte (den eigentlichen Sinn und Zweck von Politiker-Blogs) – wirkt das etwas seltsam. Schließlich bezahlen wir die Politiker ja von unseren Steuergeldern und dürfen dafür auch erwarten, dass sie uns kostenlos über ihre Arbeit informieren. Wollen wir als Bürger das wirklich mit einer Werbebotschaft verbunden wissen? Gerade in Zeiten von Diskussionen über Nebeneinkünfte zumindest ein diskussionswürdiges Thema.
Nachtrag: Frau Koch-Mehrin ist nicht die einzige – die gleiche Werbung taucht auch in den RSS-Feeds der anderen Focus-Politiker-Blogs auf (z.B. auch bei dem von Oswald Metzger). Die können also gar nichts dafür. Zumindest aber könnten sie mal bei ihrem Bloghoster nachfragen, was das soll und ob das sein muss.
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Kanzlerspiele
Dienstag, 18. Oktober 2005 • Rubrik: Kurios, Stammtisch
„Mami, Mami, darf ich noch ein bisschen mit der Kanzlerin spielen?“ Kein Witz: Nicht nur, dass ein findiger Unternehmer die Merkel-Puppe (!) auf den Markt gebracht hat – er präsentiert sie auch noch ganz stolz, wie die Fotogalerie der Repubblica zeigt. Die Bilder sprechen für sich – da erübrigt sich jeder Kommentar.
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Pressefreiheit in Gefahr?
Montag, 3. Oktober 2005 • Rubrik: Mediengedöns, Stammtisch
Viel Medienschelte war in letzter Zeit zu hören – vor allem aus Berlin. Einige haben sich gefragt, was dahinter stecken mag. In einem TP: Telepolis-Artikel stellt Harald Neuber heute eine interessante These auf: Demnach ginge es um nicht weniger als die Einschränkung der Pressefreiheit. Neuber sieht einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen pauschalen medienkritischen Äußerungen von Mitgliedern der Bundesregierung und den Durchsuchungen bei der Zeitschrift Cicero. Harter Tobak, sicher. Vielleicht auch ein bisschen zuviel der Verschwörungstheorien. Aber der Mangel an öffentlicher Empörung (den Neuber auch Heribert Prantl von der SZ konstatieren lässt) in dieser Sache ist trotzdem ein interessantes Phänomen, um nicht zu sagen seltsam. Womöglich eilt da ja schon ein bisschen Gehorsam voraus…?
