Archiv der Kategorie 'Stammtisch'
Politiker zum Diktat, bitte!
Mittwoch, 22. Februar 2006 • Rubrik: Kurios, Sage und schreibe, Stammtisch
Das ist mal eine Idee, die auch bei uns Schule machen sollte: Polnische Parlamentarier stellen sich nicht nur dem politischen Wettbewerb um die besten Ideen, sondern auch dem sprachlichen um die besten Polnisch-Kenntnisse, berichtet AFP (Danke auch an Barbara für den Link!). Ein Diktatwettbewerb der Bundestagsfraktionen untereinander, womöglich noch live im Fernsehen übertragen, das könnte echt aufschlussreich sein. (more…)
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Journalistische Mitverantwortung?
Sonntag, 29. Januar 2006 • Rubrik: Mediengedöns, Stammtisch
Nachdenkliche Töne in all der Aufregung um deutsche Entführungsopfer im Irak: ARD-Korrespondent Christoph Maria Fröhder hat dem Tagesspiegel ein Interview gegeben, das in der Internetversion leider nicht besonders lesbar ist (weil die Kollegen die optische Differenzierung zwischen Frage und Antwort vergessen haben), aber umso lesenswerter. Für ihn ist das Verhalten vieler Publikationen im Fall Osthoff (er nennt vor allem BILD und Focus, aber auch FAZ und ZDF) und im aktuellen Fall der beiden im Irak entführten Ingenieure ziemlich verantwortungslos. Auch wenn Medienschelte in solchen Fällen immer irgendwie opportun ist – ein schaler Beigeschmack bleibt doch zurück.
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Stoiber ääääh und äääääh Transrapid
Mittwoch, 18. Januar 2006 • Rubrik: Kurios, Mediengedöns, Stammtisch
Da hat er mal wieder zugeschlagen, der Edmund Stoiber, und die Blogs sind voll davon: Ein (anscheinend heimlicher) Mitschnitt macht die Runde, in dem Stoiber erklärt, wie das mit dem Transrapid funktionieren soll. Zu finden ist das Oeuvre unter anderem bei den bayerischen Grünen und bei Mario Sixtus, in beiden Fällen auch als mp3. Etwas über eine Minute lang schwadroniert unser aller Ministerpräsent da vor Parteifreunden über den Transrapid, allerdings macht er das zu Fuß und verläuft sich dementsprechend. Klingt für viele unglaublich. Tragisch ist: Jeder, der mal das Vergnügen hatte, O-Töne des Herrn Stoiber in sendbare Einheiten zu schneiden, der kennt solche Ausfälle. Das Problem ist nämlich: Wenn nicht gerade heimliche Mitschnitte die Runde machen oder Stoiber live auftritt, dann hören wir ihn praktisch nur frisiert. Das liegt daran, dass die meisten Sender Vorgaben haben, was die Länge eines O-Tons betrifft. Nehmen wir mal an, ein Sender sagt: Nachrichten-O-Töne sind bei uns in der Regel 20 bis 30 Sekunden lang. Idealerweise besteht so ein O-Ton aus mehr als einem ganzen Satz und trifft natürlich auch eine substanzielle Aussage. Nehmen wir nun weiter an, es soll eine Meldung mit Stoiber-O-Ton zu irgendeinem Thema laufen. Also wird aus dem aktuell vorhandenen O-Ton-Material des Herrn Ministerpräsidenten ein passender O-Ton zurechtgeschnitten. Das ist das übliche Prozedere, nur dass das erstens in diesem Fall ein großer Brocken Arbeit ist und zweitens natürlich die Realität verzerrt. Über den Daumen gepeilt, büßen Leute wie Stoiber beim „Tuning“ auf 20 Sekunden locker drei bis fünf Ähs ein, und Profis schwören darauf, auch mal die Satzstellung etwas umzubauen. Tragisch daran ist, dass das nicht etwa aus politischen Gründen geschieht, sondern einfach, weil er sonst schlicht unsendbar wäre. Mit anderen Worten: So flüssig, wie Stoiber normalerweise zu hören ist, äußert er sich eher selten. Wäre übrigens auch mal eine spannende kommunikationspsychologische Fragestellung: Hätte Stoiber ein anderes Image, wenn er öfter ungefiltert zu hören wäre?
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Heiligs Blechle!
Donnerstag, 12. Januar 2006 • Rubrik: Kurios, Sage und schreibe, Stammtisch
Manche eher bedenklichen Entwicklungen haben auch ihr Gutes: So hat uns der heftig diskutierte baden-württembergische Einbürgerungs-Fragebogen jetzt auch für einen wunderbaren Antwort-Leitfaden beschert. Der hält diesem Möchtegern-Fragebogen sehr schön den Spiegel vor. Und zeigt auch, dass die kaum versteckten Vorurteile eigentlich wenig überraschend sind, denn die findet man an jedem Stammtisch. Viel schlimmer ist, dass Behörden sich offenbar nicht mal mehr professionelle Fragebögen leisten können, mit denen sie wirklich etwas herausfinden könnten. Das sollte einen sehr, sehr nachdenklich stimmen.
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Kontext-sensitive Politik-Finanzierung?
Sonntag, 18. Dezember 2005 • Rubrik: Netz, Stammtisch
Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht zu den regelmäßigen Lesern ihres Weblogs gehöre: Die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin hat mich mit ihrem Blog heute ordentlich übrrascht – um nicht zu sagen erschreckt – und zwar durch ein Posting, das sich in meinem RSS-Reader so präsentierte (ein Klick macht’s größer):
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Ich weiß nicht, ob es an morgendlicher Unausgeschlafenheit lag, aber im ersten Moment dachte ich, die Grafik gehöre inhaltlich zum Posting. Auch nach reiflicher Überlegung mag man das zwar nicht ganz ausschließen, es dürfte aber mehr so sein, dass damit der Blogbetreiber (MSN bzw. Focus) sein Geld verdient. In diesem Fall allerdings – wo es ja zumindest um den Dialog zwischen Politikern und Bürgern gehen sollte (den eigentlichen Sinn und Zweck von Politiker-Blogs) – wirkt das etwas seltsam. Schließlich bezahlen wir die Politiker ja von unseren Steuergeldern und dürfen dafür auch erwarten, dass sie uns kostenlos über ihre Arbeit informieren. Wollen wir als Bürger das wirklich mit einer Werbebotschaft verbunden wissen? Gerade in Zeiten von Diskussionen über Nebeneinkünfte zumindest ein diskussionswürdiges Thema.
Nachtrag: Frau Koch-Mehrin ist nicht die einzige – die gleiche Werbung taucht auch in den RSS-Feeds der anderen Focus-Politiker-Blogs auf (z.B. auch bei dem von Oswald Metzger). Die können also gar nichts dafür. Zumindest aber könnten sie mal bei ihrem Bloghoster nachfragen, was das soll und ob das sein muss.
