Im Schlagzeilenwahn

Titus, Dienstag, 03. April 2007, 7:09 Uhr • Rubrik(en): Sage und schreibe

Griffige Überschriften müssen kurz sein und dabei alles auf den Punkt bringen und zusammenfassen, was wesentlich für die Meldung ist. Sie sollen Interesse zum Weiterlesen machen, und sie sollen dabei auch noch verständlich sein. Das klappt nicht immer. Manchmal geht es auch so gründlich in die Hose wie dieses Exemplar von AFP:

Polizist leiht vom Sohn ausgesperrter Mutter sein Beil

(Headline einer AFP-Meldung vom 2.4.2007)

Hä? Wer was wie wo? Ich habe beim ersten Lesen ungefähr verstanden: Ein Polizist leiht sich dem Sohn sein Beil aus. Beim zweiten Lesen auch noch.

Dann las ich weiter und stellte fest: Nein, es geht um was anderes. Ein Polizist hat einer Mutter sein Beil geliehen, damit die sich mit Hilfe des Werkzeugs Zutritt zu ihrem Auto verschaffen konnte, in dem sich ihr schmollender Sohn verbarrikadiert hatte. Das passt natürlich nicht in eine knackige Headline. Ich habe keine Ahnung, wie man diese Konstruktion beschreiben kann. Es ist zum Teil eine der berühmt-berüchtigten präpositionalen Fügungen („vom Sohn ausgesperrter Mutter“). Das ist es aber nicht alleine: Missverständlich wird die Headline durch den Verzicht auf Artikel – was in Überschriften nicht außergewöhnlich ist – und die Zweideutigkeit der Präposition „von“ – denn die Kombination „leiht von“ führt den Leser letzlich auf die falsche Fährte. Dazu noch das „sein“ weiter hinten, das man auch als (umgangssprachlichen) Genitiversatz interpretieren könnte, fertig ist die große Verwirrung.

Aber eines muss man natürlich neidlos anerkennen: Als Eyecatcher funktioniert die Überschrift tadellos, weil sie so verschwurbelt ist, dass jeder mindestens fünfmal hinschaut und dann auch kapieren will, was los ist, also weiterliest. Genauso gut könnte man natürlich auch „Gründe siegen weil Wahnsinn früh“ drüber schreiben. Oder: „Lest das, ihr Witzbolde!“

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