Wenn Zähne laufen lernen

Titus, Dienstag, 20. März 2007, 8:59 Uhr • Rubrik(en): Kurios, Mediengedöns, Sage und schreibe

Es ist schon ein paar Jahre her, als mich am Anfang meiner journalistischen Ausbildung mal einer meiner Lehrmeister (sagt man das heute noch so?) Chefs warnte vor einem Phänomen namens „schiefe Bilder“. Ich erkannte diese schiefen Bilder nicht immer sofort damals. Aber er meinte wohl so was wie das hier:

„Der Zahn der Zeit macht auch vor Schauspiel-Ikonen wie Mel Gibson nicht Halt: Der Regisseur George Miller befand den 51-jährigen Australier für die Hauptrolle in einem vierten Teil von „Mad Max“ als zu alt.“
Aus einer AFP-Meldung vom 15.3.2007

Der erste Satz hat es in sich. Keine Ahnung, wer auf die Idee gekommen ist, die Zeit mit einem Zahn in Verbindung zu bringen, aber auch in der Metapher nagt der Zahn einfach. „Halt machen“ hat allerdings was mit Fortbewegung zu tun. Und so stellt man sich vor, wie ein Zahn – zufälligerweise der der Zeit – durch die Lande wandert, auf einmal Mel Gibson erblickt und sich sagt: „Nein, hier halte ich nicht an. Ich habe eine Mission, ich muss weiter.“ Andererseits: Wenn er vor ihm also nicht Halt macht, dann zieht er ja weiter. Das heißt, der Zahn der Zeit interessiert sich genau genommen gar nicht für Herrn Gibson, nagt also auch nicht an ihm. So gesehen ist das Bild sogar doppelt schief.

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