Ausschreibungen gewinnen lassen
Titus, Samstag, 16. September 2006, 9:54 Uhr • Rubrik(en): Mediengedöns, Stammtisch
Politik-Skandale sollen auf diesen Seiten eigentlich nur am Rande eine Rolle spielen, zumal wenn sie nichts mit Internet zu tun haben. Manchmal muss man aber doch ein paar Worte drüber verlieren, zum Beispiel in diesem Fall: Laut SZ gibt es – vorsichtig ausgedrückt – ein paar Ungereimtheiten im Zusammenhang mit einer Ausschreibung des Bundespresseamtes für eine Werbekampagne. Von Belang ist das hier eigentlich nur aus einem Grund: Vor ein paar Wochen gab es mal eine kurze Diskussion um die Neuvergabe der Produktion von Angela Merkels Video-Podcast an eine – sagen wir mal – vielfältig mit den Unionsparteien verflochtene Firma, und ich hatte mich gewundert, warum sich keiner drüber aufregt. Auch jener Auftrag wurde im Bundespressamt vergeben. Interessant daran ist folgendes: Wenn die Auftragsvergabe im Fall des Werbeetats tatsächlich so zustande kam, wie der neue SZ-Artikel nahe legt, dann wäre das von der Vorgehensweise her noch unanständiger als der Podcast-Fall (von dem wir ja immer noch nicht wissen, wie die Dinge damals gelaufen sind). Es geht hier nicht um Verschwörungen. Und eigentlich auch nicht um Theorien. Es geht ganz einfach – entschuldigt das altmodische Wort – um: Anstand. Und um Fragen, die gestellt und beantwortet werden sollten.
