Des Internet
Titus, Freitag, 11. August 2006, 7:18 Uhr • Rubrik(en): Netz, Sage und schreibe
Manchmal stoßen einem Sätze auf. Manchmal sind es auch nur einzelne Wörter. Wenn ich zum Beispiel so was zum Frühstück lese wie hier (in einem älteren Artikel bei Spiegel Online), dann ist das schlecht:
„Unzählige neue Websites, die sich der kollaborativen Möglichkeiten des Internet bedienen, sind in den letzten Jahren entstanden.“
Der Satz tut keinem weh. Ich aber sitze da und werde zur Schlange. Sssssss. Sssssssssssss! Es muss Sssssss heißen: Des Internets. Aber warum? Lange wusste ich es nicht. Ich bin allergisch gegen fehlende Genitiv-s, mir stößt auch „des Irak“ auf, obwohl es korrekt ist. Und was macht ein anständiger Journalist, wenn alle um einen herum etwas anderes sagen und schreiben als er selbst? Stimmt, er beharrt meistens rechthaberisch auf seiner Position. Manchmal recherchiert er aber doch, und stellt dann fest: So holzig ist der Holzweg gar nicht, auf dem er sich da wähnt. Mein Wörterbuch dekliniert das so: „das Internet, des Internets, dem Internet, das Internet“. Irgendwo hab ich aber auch mal gelesen, dass die Regel so geht: Fremdwörter, die fremd sind, haben (noch) kein Genitiv-s – will heißen: Wenn sie also noch nicht wirklich in der deutschen Sprache angekommen sind. Gehören sie dagegen dazu, selbstverständlich, täglich – dann gehört auch ein -s im Genitiv dazu. Ganz ähnlich hätte ich mich völlig instinktiv auch in der Frage verhalten. Die Frage ist, wie man das in diesem konkreten Fall beurteilt: Natürlich verlangt niemand von meiner 88-Jährigen Großtante, dass sie das Wörtchen „Internet“ als deutsches Wort wahrnimmt. Doch was ist mit Redakteuren, für die der ganze Internet-Kram zum Arbeitsalltag gehört? Die womöglich sogar als Online-Redakteure arbeiten? Sich am Ende gar auf das Thema Internet als Ressort spezialisiert haben? Soll man denen abnehmen, dass für sie das Internet als Wort immer noch so fremd ist, dass sie es nicht deklinieren müssen?
