Multimediales Erzählen

Titus, Montag, 17. Juli 2006, 22:09 Uhr • Rubrik(en): Fußballfieber, Mediengedöns, Netz

Im Internet sei alles multimedial, heißt es immer so schön: Text, Ton, Bild, bewegt und unbewegt, das sind die Ingredienzen des modernen Online-Journalismus. Angeblich. Denn eigentlich bewegen sie sich doch meistens nebeneinander her: Ein Podcast ist ein Podcast und kann nicht anders gelesen werden (es sei denn, jemand machte sich die Mühe, ihn abzutippen oder das Manuskript gleichzeitig zu veröffentlichen). Fotos und Text, das geht noch zusammen – Audio und Video aber werden meistens schön voneinander und von Text und (stehendem) Bild getrennt. Klar findet bisweilen alles auf einer Seite statt. Verschiedene Medienformen auf einer Website, das ist meist der Gipfel der Multimedialität. Die einzelnen Content-Teile dann aber jeweils monomedial oder kombinieren allenfalls Text und Bild oder Bild und Ton. Ist das schon Multimedia? Die Entscheidung, ob ich ein- und dasselbe Thema vielleicht lieber lesen, hören oder anschauen möchte, habe ich als Leser/Hörer/Zuschauer selten bis gar nicht. Und noch seltener wird all das kombiniert. Ist auch technisch schwierig. Denn schließlich liest jeder Leser unterschiedlich schnell oder langsam, und darauf müssen bewegte Inhalte wie Audio oder Video abgestimmt werden.

Einen interessanten Ansatz für multimediale Reportagen liefert Matthias Eberl: Er kombiniert Text, (unbewegtes) Bild und Audio in integrierten, textbasierten Multimedia-Reportagen (mehr zur Idee gibt’s hier). Das Konzept hat er u.a. kürzlich auch auf jetzt.de in einer Geschichte über das Finale der Fußball-WM demonstriert.

Gelöst hat er dabei das Problem des Lesetempos: Der Leser bestimmt durch Scrollen selbst, wann er Atmo oder Zitate im O-Ton hören und Bilder dazu sehen möchte. Sicherlich muss die Technik noch ausgebaut werden. Zum Beispiel könnten Atmo und Interviewpassagen übereinandergemischt werden, sodass die Atmo eben diese Funktion erfüllt: Atmosphäre vermitteln. Denn als Leser ist man doch ganz schön überfordert, wenn man die Steuerung der Audio-Teile auch noch selbst einstellen muss. Auch die etwas gewöhnungsbedürftige Umsetzung mit der umrandeten Box, in die man den zu lesenden Text bzw. die Fotos und Audio-Dateien scrollen muss, ist sicherlich noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Auf jeden Fall aber ist das Konzept geeignet, wirkliche Multimedialität zu schaffen, wenn man nicht gleich dieselbe Geschichte in unterschiedlichen Medienformaten anbieten will (wofür sich sicher auch nicht alle Themen eignen).

Auf alle Fälle ein zukunftsweisendes Konzept – schon alleine weil es die traditionellen Strukturen und Denkweisen im Online-Journalismus sprengt. Jetzt müsste es nur noch gelingen, die Bedienung intutiver und flexibler zu gestalten, dann könnte sich das wirklich zu einer neuen Erzählform entwickeln, mit der auch Nicht-Freaks was anzufangen wissen.

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Ein Kommentar zu diesem Eintrag:

  1. gastauftritt.net » Multimediales Erzählen (mal wieder) am 17. März 2007 um 20:47 Uhr.

    […] multimediale Erzählformen – das hat mich schon vor einiger Zeit beschäftigt. Aber irgendwie setzen sich keine neuen Formen durch, und alle machen nur noch Fernsehen im Netz. […]

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