Olympia an der Adriaküste

Titus, Donnerstag, 09. Februar 2006, 9:20 Uhr • Rubrik(en): Italia, Kurios, Mediengedöns

Eigentlich wollte ich heute Morgen einen Artikel bei Spiegel Online über die Wetterprobleme bei den Olympischen Winterspielen in Turin lesen. Ich kam nur leider nicht sehr weit über die Ortsmarke hinaus, weil die mich bereits aus der Spur trug. Denn dem Artikel zufolge finden die olympischen Rodelwettbewerbe in Cesena statt. Da kommt man ins Grübeln.
Ausschnitt Cesena-Meldung(Klick macht’s groß)
Nun ist es zwar richtig, dass die einzelnen Wettkampfstätten der Olympischen Winterspiele 2006 mitunter sehr weit voneinander entfernt sind – soooo weit ist es aber dann doch wieder nicht: Cesena (sprich: TschesEna) ist eine Stadt an der Adriaküste der Region Emilia-Romagna, geschätzte 400 km von Turin entfernt. Der Ort in der Provinz Turin hingegen, an dem unter anderem die Rodelwettbewerbe stattfinden, heißt Cesana Torinese (sprich: TschesAna, Infos gibt’s auch auf Englisch).
Nun mag man einwenden: Von Hamburg aus gesehen kommt’s auf ein paar Kilometer hin oder her nun wirklich nicht an. Da ist was dran. Allerdings nehmen einem das die Rodelfans vermutlich schon übel, wenn sie in Cesena auf die winterliche Adria hinaus starren und weit und breit kein Hacklschorsch zu sehen ist. Wahrscheinlich kann Spiegel Online aber auch gar nix dafür: Immerhin ist der Artikel mit der Autorenkennung „pav/sid“ gekennzeichnet. Das heißt, er stammt wahrscheinlich von der Sport-Nachrichtenagentur sid, die möglicherweise sogar Reporter bei den Olympischen Spielen hat, die hoffentlich einfach nur nicht wissen, wo sie sind. Wobei: Schöne Vorstellung, wie der sid-Reporter in Cesena im Strandcafé sitzt, auf die winterlich-graue Adria hinaus schaut, nebenbei irgendwas in sein Notebook tippt und sich denkt: Wie schön, dass hier kein Schnee liegt…

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Ein Kommentar zu diesem Eintrag:

  1. gastauftritt.net » Blog Archive » Wenn uns Italien spanisch vorkommt am 15. Februar 2006 um 11:40 Uhr.

    […] Konsequent knapp an der Peinlichkeit vorbei operiert zum Beispiel das ZDF in diesen Tagen, wahrscheinlich nicht als Einzeltäter. Eigentlich darf man als Gegenleistung für seine Rundfunkgebühren schon verlangen, dass ein Sender seine Reporter vor Ort ein bisschen vorbereitet auf so ein Ereignis und ihnen beispielsweise Crash-Kurse in der Aussprache von Namen und Ortschaften verpasst. Wofür hat man schließlich feste Korrespondenten, die Land und Leute kennen? Aber stattdessen werden die Austragungsorte munter verbal verunstaltet, von Namen ganz zu schweigen: Ein nicht ganz unbekannter italienischer Startenor namens “Lutschano” (”Luciano”) heißt da eben einfach “Lutschiano”, basta. […]

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