Monatsarchiv für Januar 2006
Journalistische Mitverantwortung?
Sonntag, 29. Januar 2006 • Rubrik: Mediengedöns, Stammtisch
Nachdenkliche Töne in all der Aufregung um deutsche Entführungsopfer im Irak: ARD-Korrespondent Christoph Maria Fröhder hat dem Tagesspiegel ein Interview gegeben, das in der Internetversion leider nicht besonders lesbar ist (weil die Kollegen die optische Differenzierung zwischen Frage und Antwort vergessen haben), aber umso lesenswerter. Für ihn ist das Verhalten vieler Publikationen im Fall Osthoff (er nennt vor allem BILD und Focus, aber auch FAZ und ZDF) und im aktuellen Fall der beiden im Irak entführten Ingenieure ziemlich verantwortungslos. Auch wenn Medienschelte in solchen Fällen immer irgendwie opportun ist – ein schaler Beigeschmack bleibt doch zurück.
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Skeptisch-optimistischer Ausblick
Mittwoch, 25. Januar 2006 • Rubrik: Mediengedöns, Netz
Absolut lesenswert für alle, die sich mit der Zukunft der Medien und dem beschäftigen, was gerne als „Bürgerjournalismus“ bezeichnet wird: Ein ausführliches Interview mit Dan Gillmor (u.a. Autor von „We The Media“) findet sich heute bei Fabian im notebook onlinejournalismus. Knackiges Zitat gefällig? „Was früher nur eine Vorlesung war, bewegt sich immer mehr in Richtung einer Konversation.“ Klasse, das ist doch programmatisch. Vor allem versteht man das auch in jedem noch so entlegenen Elfenbeinturm des traditionellen Journalismus.
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Sachdienliche Anzeigen
Montag, 23. Januar 2006 • Rubrik: Mediengedöns, Netz
Jetzt ist es also passiert: BILDBlog wird so richtig kommerziell, und zwar auch mit Werbung. Der Anfang könnte nicht besser passen, denn eine Anzeige wirbt für BILD-kritische Bücher eines bekannten Verlages.

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Stoiber ääääh und äääääh Transrapid
Mittwoch, 18. Januar 2006 • Rubrik: Kurios, Mediengedöns, Stammtisch
Da hat er mal wieder zugeschlagen, der Edmund Stoiber, und die Blogs sind voll davon: Ein (anscheinend heimlicher) Mitschnitt macht die Runde, in dem Stoiber erklärt, wie das mit dem Transrapid funktionieren soll. Zu finden ist das Oeuvre unter anderem bei den bayerischen Grünen und bei Mario Sixtus, in beiden Fällen auch als mp3. Etwas über eine Minute lang schwadroniert unser aller Ministerpräsent da vor Parteifreunden über den Transrapid, allerdings macht er das zu Fuß und verläuft sich dementsprechend. Klingt für viele unglaublich. Tragisch ist: Jeder, der mal das Vergnügen hatte, O-Töne des Herrn Stoiber in sendbare Einheiten zu schneiden, der kennt solche Ausfälle. Das Problem ist nämlich: Wenn nicht gerade heimliche Mitschnitte die Runde machen oder Stoiber live auftritt, dann hören wir ihn praktisch nur frisiert. Das liegt daran, dass die meisten Sender Vorgaben haben, was die Länge eines O-Tons betrifft. Nehmen wir mal an, ein Sender sagt: Nachrichten-O-Töne sind bei uns in der Regel 20 bis 30 Sekunden lang. Idealerweise besteht so ein O-Ton aus mehr als einem ganzen Satz und trifft natürlich auch eine substanzielle Aussage. Nehmen wir nun weiter an, es soll eine Meldung mit Stoiber-O-Ton zu irgendeinem Thema laufen. Also wird aus dem aktuell vorhandenen O-Ton-Material des Herrn Ministerpräsidenten ein passender O-Ton zurechtgeschnitten. Das ist das übliche Prozedere, nur dass das erstens in diesem Fall ein großer Brocken Arbeit ist und zweitens natürlich die Realität verzerrt. Über den Daumen gepeilt, büßen Leute wie Stoiber beim „Tuning“ auf 20 Sekunden locker drei bis fünf Ähs ein, und Profis schwören darauf, auch mal die Satzstellung etwas umzubauen. Tragisch daran ist, dass das nicht etwa aus politischen Gründen geschieht, sondern einfach, weil er sonst schlicht unsendbar wäre. Mit anderen Worten: So flüssig, wie Stoiber normalerweise zu hören ist, äußert er sich eher selten. Wäre übrigens auch mal eine spannende kommunikationspsychologische Fragestellung: Hätte Stoiber ein anderes Image, wenn er öfter ungefiltert zu hören wäre?
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50 ms
Dienstag, 17. Januar 2006 • Rubrik: Mediengedöns, Netz
50 Millisekunden sind kurz. Sehr kurz. Nach aktuellen Studien (siehe Spiegel Online und Telepolis) ist das genau die Zeit, in der sich entscheidet, ob ein User auf einer Webseite bleibt oder weitersurft. Wieder so eine Zahl, die vor allem Unbehagen bereitet und etwas ratlos macht. Aber irgendwie müssen wir damit alle klar kommen. Das stellt hohe Anforderungen an Design, Inhalte und Navigation. Eigentlich lässt sich daraus nur folgern, dass es für den User möglich sein muss, innerhalb kürzester Zeit zu erfassen, ob eine Site das bietet, was er/sie sucht. Wie das geht, darüber lässt sich natürlich wieder trefflich streiten. Aber es spricht viel dafür, dass gutes Design in diesem Sinne was mit Klarheit, Einfachheit und Übersichtlichkeit zu tun hat. Also an die Arbeit…
