Stau? Was? Wie? Wo?

Titus, Donnerstag, 21. Juli 2005, 16:51 Uhr • Rubrik(en): Mediengedöns, Sage und schreibe

Erschreckendes, wenngleich nicht unbedingt überraschendes, will der „Auto Club Europa“ (das Deppen Leer Zeichen gehört offenbar so) herausgefunden haben: 55 Prozent der Autofahrer verstehen die Staumeldungen im Radio nicht. Zu viel Information auf zu engem Raum, meistens konzentrieren sich die Fahrer auf andere Dinge und können dem Moderator nur eingeschränkt folgen. Liest man auch die Originalmeldung des ACE und das dazugehörige Interview, dann wird das Unbehagen noch größer. Der Verkehrspsychologe, der die Wirkung einer einzelnen (!) Verkehrsmeldung untersucht hat, plädiert für radikal vereinfachte Verkehrsinfos: Keine Zahlen, keine Richtungsangaben – sondern einfach nur Meldungen nach dem Muster „Stau zwischen Rastatt und Raststätte Baden-Baden“. Allerdings sagt er nicht, wie das bei 20 oder 30 einzelnen Meldungen klingen soll.
Eine Frage wirft aber auch der Verkehrspsychologe nicht auf: Jeder Radiomensch, der sich auch nur ein ganz kleines bisschen theoretisch mit seinem Tun auseinandergesetzt hat, weiß, dass es auf die Art der Präsentation, die richtigen Betonungen und eine einfache, klare Schreibe ankommt. Verkehrsmeldungen sind in ihrer bisherigen Form ein Biotop des gepflegten Nominalstils. Und wenn die dann noch ohne Punkt und Komma runtergeleiert werden, KANN ja keiner was verstehen. Warum also soll ausgerechnet eine radikal komprimierte Verkehrsmeldung verständlich sein? Wenn schon so einfach, dann sollten auch ein paar Verben und Artikel sein. Dafür lässt diese Art von Minimalismus aber keinen Raum.

Kommentar-Feed zu diesem EintragTrackback-URL

Neuen Kommentar schreiben: