Monatsarchiv für Mai 2005
Schreibende Blogger
Dienstag, 31. Mai 2005 • Rubrik: Kurios, Netz, Sage und schreibe
Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein etwas schiefes Bild, wenn Spiegel Online einen AP-Bericht über das Blog des Ex-Königs von Kambodscha mit „Die spitze Feder von Kambodschas Ex-König“ überschreibt. Gut, denkt man sich, die Original-Überschrift der Agenturmeldung „Königlicher Blogger nimmt kein Blatt vor den Mund“ war den Damen und Herren halt zu langweilig oder man wollte noch was ändern, damit zumindest noch ein bisschen Redakteursarbeit drinsteckt. Denn natürlich schreibt streng genommen kein Blogger dieser Welt noch mit der Feder, also auch nicht mit spitzer. Klar, das ist Haarspalterei, aber eben wichtig. Denkt man sich so. Bis man einige dieser Einträge auf Sihanouks Website genauer unter die Lupe nimmt und feststellt: Es stimmt, er bloggt tatsächlich handschriftlich!
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Sprachpolizisten unter sich
Freitag, 27. Mai 2005 • Rubrik: Netz, Sage und schreibe
Auf den ersten Blick scheint es immer ein bisschen lustig, wenn jemand krampfhaft versucht, seine Sprache anglizismenfrei zu halten. Besonders professionalisiert haben diese Kunst bekanntlich unsere französischem Nachbarn – aktuell auch nachzulesen bei Telepolis. Zugegeben, die meisten der genannten Beispiele sind etwas übertrieben. Aber nach dem ersten Schmunzeln machen sie auch nachdenklich: Man muss ja nicht gleich das „Zwischennetz“ oder die komplette „Weichware“ neu erfinden… Manchmal reicht es auch, eine Datei auf die Festplatte des Rechners herunterzuladen, anstatt sie „downzuloaden“. Und schon sind wir selber unter die Sprachpuristen gegangen – oft, ohne es zu wollen. Von da ist es zur strafbewehrten „nicht-dies-sondern-das“-Liste nicht mehr weit. Nicht zuletzt die Diskussion um die Deutschquote im Radio hat kürzlich gezeigt, dass manches, was früher mal indiskutabel war, plötzlich schwer angesagt sein kann.
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Nominiert sind…
Donnerstag, 26. Mai 2005 • Rubrik: Mediengedöns, Netz
Aus dauert noch etwas, bis am 30. Juni die Grimme Online Awards verliehen werden. Spiegel Online widmet den Nominierten aber schon eine ausführliche Geschichte und stellt fest, dass vor allem Wikis und Blogs in diesem Jahr groß rauskommen. An der Defintion „Tagebücher im Netz“ für Blogs müssen wir aber noch ein bisschen arbeiten… ;-)
Den Nominierten können wir aber trotzdem schon mal gratulieren, auch wenn sie keine Tagebücher veröffentlichen.
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Hilfe, das Unterschichtenfernsehen kommt!
Mittwoch, 25. Mai 2005 • Rubrik: Kurios, Mediengedöns
Keine Frage, der Begriff „Unterschichtenfernsehen“ ist so was wie der aktuelle Chartbreaker bei den Gemeinplätzen des gepflegten Kulturpessimismus geworden. Deshalb widmet Spiegel Online dem „Unterschichtenfernsehen“ auch einen sehr aufschlussreichen Artikel über die Auswirklungen des Begriffs auf die Werbe- und die Marktforschungsabteilungen der Sender. Demnach herrscht in Deutschlands Fernsehlandschaft Nervosität – denn es könnten ja Werbetreibende auf die Idee kommen, dass „Unterschichtenfernsehnutzer“ kein Geld haben, das sie ausgeben können, und ihre Werbemillionen lieber beim „Oberschichtenfernsehen“ (seltsamerweise scheint es dieses Wort nicht zu geben) raushauen. Also versucht gerade jeder, sein Programm möglichst „unterschichtenfrei“ zu halten. In dieser Debatte ist also noch jede Menge Zündstoff – und sie wird uns noch eine ganze Zeit lang begleiten. Immerhin: Wenn man optimistisch ist, kann man darin Ansätze für ein Comeback der Qualität sehen; vielleicht zählt zukünftig nur noch Klasse statt Masse? Nur noch Qualität statt Quote? Oder wäre das schon wieder viel zu oberschichtenmäßig gedacht?
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T.R.F.K.A.P.O.Y., W.C.B.C.S.M.B.G.D.N.L.T.
Sonntag, 22. Mai 2005 • Rubrik: IRL, Sage und schreibe, Stammtisch
Nicht, dass es die „Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien“ erst seit gestern gäbe… Aber gestern Abend hat der geneigte Grand-Prix-Zuschauer Eurovision-Song-Contest-Zuschauer eine Menge Spaß mit diesem Staatsgebilde gehabt: „Former Yugoslav Republic Of Macedonia, two points – Ex-République Yougoslave de Macédoine, deux points“. Man hatte den Eindruck, als hätten bei der Punktevergabe Dutzende Moderatoren in den jeweiligen Ländern und der arme Kerl in Kiew, der das Ganze auf Französisch übersetzen musste, ernsthafte Schäden am Sprechapparat davon getragen. Das schlimmste aber ist: Die Mazedonier können gar nichts dafür. Schuld ist ein Streit mit Griechenland über die Bezeichnung „Mazedonien“, die Griechenland für einen Teil des eigenen Territoriums reklamiert. Aber nachdem Griechenland ja nun gewonnen hat, könnten die doch mal ein bisschen Größe zeigen, oder? Also liebe Griechen: Bitte tut was! Dieser Ländername ist einfach unpraktisch! Und allen Mazedoniern sei zugerufen: Wenn schon so eine Bezeichnung für ein Land nötig ist, dann überlegt euch doch was richtig cooles, so wie Prince damals! Ich schlage also als künftige Bezeichnung für Mazedonien vor: „The Republic Formerly Known As Part Of Yugoslavia, Which Cannot Be Called Simply Macedonia Because Greece Does Not Like That“, was sich auch praktisch mit „T.R.F.K.A.P.O.Y., W.C.B.C.S.M.B.G.D.N.L.T.“ abkürzen lässt. Das hätte wahre Größe.
