Monatsarchiv für Januar 2005
Miss-Verständnisse 2005
Montag, 31. Januar 2005 • Rubrik: Krimskrams
Freitag Mittag in einer beliebigen deutschen Redaktion. Letzte Details für die Berichterstattung am Wochenende werden geklärt.
Redakteur 1 zu seinem Kollegen: „Du, ich seh grad, dass am Wochenende in Rust die ‚Miss Germany‘ gewählt wird!“
Redakteur 2: „War das nicht kürzlich schon? Da hatten wir doch erst den Bericht von dem Dings aus Aachen…“
Und zack, wieder mal jemand reingetappt in die perfide deutsche Miss-Falle. Tatsächlich hatten ja beide irgendwie Recht: Am vergangenen Wochenende gab’s eine neue „Miss Germany“, und Mitte Januar wurde in Aachen die „Miss Deutschland“ 2005 gewählt. Mittlerweile scheinen beide Veranstaltungen in den Redaktionen auf ähnliches Interesse zu stoßen. Dementsprechend groß ist auch die Verwirrung. Schon eine simple Google-Recherche nach den beiden wichtigsten „Missen“ ist ein schwieriges Unterfangen, weil die offiziellen Seiten erst nach unzähligen Artikelchen in allen möglichen Regionalzeitungen ausgespuckt werden. Die offizielle Miss-Germany-Homepage findet man noch relativ schnell – die Adresse liegt auch nahe. Aber unter www.missdeutschland.de findet man keineswegs die offizielle Miss-Deutschland-Homepage, sondern offenbar (ich formuliere das bewusst vorsichtig) unter www.missdeutschland.tv. Dabei zeigt ein Blick (oder auch ein zweiter) in die Geschichte, dass es durchaus mal andere Zeiten gab.
Nun gibt’s an solchen Wettbewerben sicherlich sehr viel auszusetzen. Richtig skandalös ist aber, dass all diese Misswahlen vor sich hindümpeln und keiner auf die Idee kommt, daraus ein riesiges nationales und kommerzielles Ereignis zu machen. Eigentlich seltsam im Zeitalter der Casting-Shows… „Deutschland sucht die superschöne Mega-Frau“ (von mir aus auch noch einen ähnlich knackigen Mann dazu) das hat doch alles, was das Fernsehsenderherz begehrt: Atemberaubende Spannung, große Emotionen, schöne Bilder und auch ein bisschen nackte Haut.
Wer einmal das Vergnügen hatte, die Wahl der „Miss Italia“ mitzuerleben, der weiß, wovon ich rede: So eine nationale Misswahl ist dort ein mehrtägiges (!) Fernsehspektakel vor der Kulisse eines mondänen Kurortes, mit prachtvollen Quoten – nicht nur bei den männlichen Zuschauern. Man gewinnt den Eindruck, dass hier ein Land mit viel Stolz, Pomp und Kitsch seine schönste Frau feiert, und zwar immer im September, also zum Abschluss eines grandiosen Sommerurlaubs, wenn das ganze Land noch bester Laune ist. Natürlich ist Bildungsfernsehen was anderes, keine Frage…;-)
Aber bei uns sieht’s ja ganz düster aus: Ein Versuch, die Wahl der „Miss Germany“ auch im deutschen Fernsehen zu übertragen, floppte vor ein paar Jahren bei Sat.1 gnadenlos. Sicherlich auch, weil es die eine, entscheidende Misswahl eben nicht gibt. Und so schauen wir eben lieber zu, wie angebliche Promis sich in vorpubertären Ekel-Streichen üben…
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Grüße aus Nigeria – powered by „Babel Fish“?
Sonntag, 30. Januar 2005 • Rubrik: Krimskrams
Volltreffer! Es hat mich mal wieder erwischt! Ich habe tatsächlich eine E-Mail der berühmten, legendären, sagenumwobenen Nigeria-Connection bekommen! Drei Dinge sind an dieser Mail erstaunlich:
1. Offensichtlich gibt es immer noch Menschen, die drauf reinfallen – sonst wären diese Dinger ja schon längst ausgestorben.
2. Sie hat es durch meinen Spam-Filter geschafft.
3. Die englische Version ist schon ziemlich schlecht. Aber die deutsche Übersetzung ist so unglaublich unterirdisch, dass ihr schon wieder ein gewisser künstlerischer Wert zukommt. Wahrscheinlich steckt eine Übersetzungsmaschine wie Babel Fish dahinter.
All das ist wirklich eine reife Leistung und obendrein sehr unterhaltsam. Ehre wem Ehre gebührt! :-))) Deswegen gibt’s die E-Mail in voller Länge als Kommentar zu diesem Posting.
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Untote beim Grand Prix
Sonntag, 30. Januar 2005 • Rubrik: Krimskrams
Früher war alles besser. Ich kann mich an Zeiten erinnern, in denen man Toten ewige Ruhe wünschte und auch alles unternahm, um diesen Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen. Leider ist Herr Moshammer davon weiter entfernt denn je, falls die Jacob Sisters ernst machen. Armer Mosi!
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Zitat des Tages: Eingeseift
Freitag, 28. Januar 2005 • Rubrik: Krimskrams
Sehr treffend, wie EMI-Vizepräsident Ted Cohen laut „SPIEGEL Online“ Apples Musikengagement beurteilt: „Sie könnten auch Seife anbieten – und die Menschen würden iSeife kaufen.“
iSoap? Warum eigentlich nicht? Schließlich verkauft Apple ja auch Socken. Außerdem frage ich mich schon lange, wie ich die grauen Schatten auf meinen weißen Geräten jemals wieder weg bekomme… ;-)
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Sisyphos
Freitag, 28. Januar 2005 • Rubrik: Krimskrams
Es ist immer wieder schmerzhaft, auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden. Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest hat in einer Studie herausgefunden, dass unsere Arbeit als nicht besonders glaubwürdig wahrgenommen wird. O.k., das muss man nicht gleich persönlich nehmen. Aber nachdenklich macht’s trotzdem, wenn man sich wieder mitten in der Nacht aus dem Bett quält, und dann so ein Urteil dafür bekommt. Andererseits: Wenn alle so effektiv arbeiten wie die Freunde von Golem.de, über die ich an diese Neuigkeit geraten bin, dann kann man schon auf die Idee kommen, dass da was dran ist: Die haben sich nämlich gerade mal eine neue überschrift überlegt, ansonsten haben sie offenbar die Pressemitteilung übernommen. Ich werde jetzt am Wochenende in mich gehen und überlegen, ob das eher für die Pressemitteilung des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest oder eher gegen Golem.de spricht. Vielleicht sollten wir es alle so machen? Weniger Arbeit, weniger Sisyphos…
